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WunderWelt ohne GeldWunderWelt ohne Geld (NEU!!!)

Geschrieben von Heidemarie Do, Mai 03, 2012 13:02:54

Wie lebt ein Mensch ohne Geld? Diese Frage stellt sich Marie, und beginnt ein vorerst einjähriges Projekt. Sie steigt aus ihrem Leben als erfolgreiche Psychotherapeutin aus, in ein selbstbestimmtes Leben ohne Geld. Marie gründet die „Gib-und-Nimm-Bewegung“ und findet viele offene Türen, aber auch scheinbar unüberwindbare Mauern. Begleitet und geführt wird sie von ihrem Engel Nataha und dem Glauben an die himmlische Kraft. In ihrer autobiografischen Erzählung gewährt Heidemarie Schwermer Einblicke in Zeiten voller Zweifel, Ängste und Hoffnung, aus denen Stärke und Vertrauen in ihre Entscheidung wachsen. So wird aus einem Projekt ein neues, aufregendes Leben in einer WunderWelt ohne Geld.

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Die Buchdaten:

WunderWelt ohne Geld – Erzählungen aus einem Leben

Heidemarie Schwermer

ISBN 978-3-8482-0586-8

Herstellung und Verlag:
Books on Demand GmbH, Norderstedt

Preis: € 10,90

Sie können es entweder hier bestellen:

http://www.bod.de/index.php?id=1132&objk_id=698575

oder bei Amazon oder anderen online-Buchhandlungen kaufen.

LESEPROBE (Auszug):

Diesmal ist sie eingeladen zu einer Talkshow im Fernsehen mit einer Einschaltquote von ein paar Millionen Zuschauern. Erneut ist sie neben vier Männern die einzige Frau. Thema hat mit dem Konsum und dem Verhalten der Konsumenten zu tun. O je, schon bald merkt sie die bekannte Barriere, die sie an diesem Abend nicht überwinden kann. Ein paar Sätze kommen ihr über die Lippen, ansonsten hält sie sich zurück, überlässt den Männern das Feld und fühlt sich unfähig und kein bisschen souverän an diesem Abend, fühlt sich herein getappt in die alte Falle und unglücklich bei Abschluss der Sendung. Nie wieder, denkt sie, das war‘s. So etwas muss ich nicht mehr mitmachen. Aber- o Schreck- schon am nächsten Tag verwirft sie diesen Entschluss. Es gibt nämlich eine Einladung von einem anderen Sender. Thema ist der Konsum und das Konsumentenverhalten. Gäste sind vier männliche Politiker und sie. Der erste Impuls ist ein klares Nein, hatte sie sich doch für ein „Nie wieder“ entschlossen. Auf der anderen Seite wittert sie eine Wachstumschance, die sie nicht einfach vertun mag. Zu offensichtlich ist die Übereinstimmung der beiden Situationen. So handelt sie ein paar Maßnahmen mit der Moderatorin aus und traut sich erneut – mit Herzklopfen und den altbekannten Ängsten- in die Manege. Diesmal jedoch verhält sie sich aus ihrer Mitte heraus, hat ihre Angst angesprochen und mitgenommen, sie abgesetzt auf einem Extraplatz und bald ihr Verschwinden bemerkt. Ihre Beiträge führen zu einem Verständnis von Seiten der Politiker und der Zuschauer, wie sie an den späteren Mails feststellt. Die Annahme und Überwindung der Angst hat sie in das Vertrauen gebracht, in eine Bestätigung für den eingeschlagenen Weg. Das Vertrauen in alles, was geschieht, bestimmt mehr und mehr ihren Alltag und macht sie glücklich. Dennoch schaut sie auf alle Widerstände, verdrängt nichts und lässt nichts aus. So empfindet sie auch unangenehme Tatbestände als göttliche Schöpfungsakte, die sie freudig annimmt und einbaut in das Alltagsgeschehen.

Ihre Seminare, die sie unter dem Thema „ohne Geld durch die Welt“ sporadisch anbietet, sprechen sich herum, und andere Gruppen übernehmen sie. So auch ein Verein, der jedes Jahr zu Ostern Jugendliche zu diesem Thema einlädt. Übernachtung ist für alle kostenfrei gewährleistet in einem Jugendzentrum mit Küche und Gruppenraum. Die Jugendlichen, meist zwischen 15 und 18jährig, nehmen mit Begeisterung teil, sind kreativ und erfinderisch in ihren Tauschaktionen mit den Geschäften, den Kulturstätten, den städtischen Institutionen. Sie überlegen sich eigeninitiativ und selbstbestimmt neue Herangehensweisen und fahren jedes Mal angereichert und aufmerksamer nach den zehn Tagen nach Hause zurück. In ihren Gesprächen mit Marie, die sie oft für einen Tag dazu laden, schildern sie ihre Begeisterung für eine neue Vision, nämlich einer Welt ohne Geld. Dazu müssten sie das Tauschen zugunsten des Teilens aufgeben. Teilen bedeute etwas ganz anderes als Tauschen, erklärt ein aufgewecktes junges Mädchen. Beim Tauschen stände hinter allem noch so eine Art Gier oder Haben wollen, auf jeden Fall eine Absicht. In einer Welt ohne Geld müsse das verschwinden. Jeder dürfe nur das tun, was ihm am Herzen läge, so dass mehr Freude in die Welt käme. Auf der anderen Seite müsse die Verschwendung aufhören zugunsten einer Ausgewogenheit des Empfangens. Das Geben und Nehmen stände gleichberechtigt nebeneinander, so dass die Spanne zwischen diesen Polen sich aufheben würde. Marie lauscht beglückt den Worten dieses jungen Mädchens, das ihre eigenen Erkenntnisse, für die sie Jahre gebraucht hatte, in so kurzer Zeit zusammenfasst. Ja, so kann es gehen, denkt sie. Die Jugend ist beweglich und aufmerksam, kann das Neue schneller erfassen und umsetzen.

Auch in den Schulen fühlt sie sich wohl, wenn die Schüler sich einlassen und interessiert sind an dem Thema, was natürlich nicht immer der Fall ist. Von einer Lehrerin, mit der sie sich befreundete, hörte sie nach dem Auftritt in einer zehnten Realschulklasse, dass ein Schüler sie als psychisch krank bezeichnete. Für ihn war Maries Denkweise so weit von der Normalität entfernt, dass es sich bei ihr nur um eine Verwirrung des Verstandes handeln könne.

Als sie einmal in einer Grundschule eingeladen ist, macht sie eine lustige Erfahrung. Die Kinder hatten sich schon im Vorab in einigen Stunden mit dem Thema Geld befasst, mit der Wichtigkeit, es zu besitzen und ausgeben zu können. Obwohl sie selber ja noch gar nicht in diesem Prozess steckten, die Generalversorgung durch ihre Eltern erfuhren, hatten sie jedoch eine spezielle Vorstellung von einem Erwachsenen, der ohne den Mammon auskommen musste. So ein Mensch hätte kaum Berührungspunkte mit der Zivilisation. Und so tauchten Fragen auf, wie Marie sich denn gegen die wilden Tiere wehren würde. Und was sie machen würde, wenn der Schnee sie verwehte. Für diese Kinder bedeutete der Umgang mit dem Geld gleichzeitig einen Einstieg in eine zivilisierte Lebensform. Ohne Geld sei man ausgeliefert den Naturgewalten, ohne jede Möglichkeit für Bequemlichkeiten. Für diese Kinder war Marie so etwas wie Tarzan im Dschungel.

Auch die Journalisten, die sie häufig zu dem Thema Lebensqualität befragen, scheinen eine Vorstellung zu haben von einem Leben ohne Geld, die eher mit Mangel statt mit Fülle zu tun hat. Ohne Geld ließe sich so vieles nicht abdecken, glauben sie. Zwar sehen sie Marie nicht als Eremitin in den Wäldern herum streifen, sich von Wurzeln und Beeren ernährend und im Winter hungernd, aber doch in einer für sie unangenehmen Abhängigkeit von anderen. „Wenn ich mir vorstelle, meinen Nachbarn bitten zu müssen, dass er mir etwas zu essen gibt oder einen Pullover für den Winter schenkt, schüttel ich mich. Nein, das wäre für mich ein Graus. So könnte ich absolut nicht leben. Und Sie bezeichnen das als erhöhte Lebensqualität. Das verstehe ich ganz und gar nicht“, bohrt eine junge Journalistin nach, die einen Artikel für ihre Tageszeitung schreiben soll. Für Marie ist es nicht einfach, zu erklären, was da in ihrem Leben geschieht. Niemals bittet sie jemanden um das, was sie gerade braucht, schon gar nicht einen Nachbarn. Die Dinge kommen auf eine Art und Weise zu ihr, die unvorhergesehen, nicht vorbestimmend sind. Meist kommen sie als Überraschungen, denn auch wenn sie sich etwas wünscht, rechnet sie doch niemals mit einer hundertprozentigen Erfüllung des Wunsches. Jedes Mal ist sie gerührt, berührt und kann ihr Glück kaum fassen. Keine Erwartungen zu haben, macht das Leben aufregend und bewegt, Routine bleibt aus, stattdessen ist jeder Augenblick neu. Wie soll Marie erklären, dass sie jeden Morgen beim Aufwachen in dem Gefühl steckt, das sie als Jugendliche hatte, als es galt, Bäume auszureißen, den Tag zu erobern mit allen Fasern ihres Seins. Wie soll sie erklären, dass für sie alle Türen des Lebens weit geöffnet sind, wenn um sie herum bedeutend jüngere als sie auf die Mängel in ihrem Körper hinweisen und immer mehr Türen für geschlossen halten. Gegen die kollektive Überzeugung, dass ab einem bestimmten Alter das schleichende Hinsiechen beginnt, will sie nicht gegen an gehen. Es kostet zu viel Kraft, Menschen von etwas zu überzeugen, was nicht in ihrem Denken auch nur ansatzweise verankert ist. Dieses Lebensgefühl, das mit dem Lebensfluss einhergeht, das aus einem Vertrauen geboren wird, für das alle Menschen geschaffen sind, lässt sich schlecht erklären........

Drucken Sie sich einen Flyer aus, den Sie hier runterladen können:

In Fülle sein ohne GeldIn Fülle sein

Geschrieben von Heidemarie Do, April 12, 2012 13:34:37

Das zweite Buch können Sie hier runterladen:

In Fülle sein ohne Geld:

Das SterntalerexperimentSterntalerexperiment

Geschrieben von Heidemarie Do, April 12, 2012 13:26:17

Mein Leben ohne Geld

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Schritt für Schritt ist Heidemarie Schwermer aus den bestehenden Strukturen ausgestiegen und in eine neue Freiheit hineingewachsen. Seit Mai 1996 lebt die ehemalige Lehrerin, Motopädin und Psychotherapeutin ohne Geld. Ihr Buch ist nicht nur die Beschreibung eines intensiv und engagiert gelebten Lebens, sondern zugleich eine Ermutigung, unser Wertesystem zu überdenken und alternative Formen des Miteinanders zu wagen.

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Leseprobe:


Das Versprechen


Zu meinem zweiten Geburtstag bekam ich eine Puppenstube. Meine Freude muss groß gewesen sein, jedenfalls sehe ich mich noch heute begeistert durchs Zimmer springen und lachend in die Hände klatschen. Meine beiden älteren Brüder, meine Mutter und Ella, das Kindermädchen , freuten sich gut gelaunt mit mir. Wir lebten damals in Memel, wo mein Vater eine Kaffeerösterei hatte. Gehabt hatte. Jetzt war er schon länger fort, im Krieg, sagten die Großen.
Mir waren nur wenige glückliche Monate mit meinem kleinen Spielzeugreich vergönnt.Im Sommer 1944 spürte ich im Haushalt eine Unruhe, die mir zunächst unerklärlich blieb. Erst verschwand die heißgeliebte Puppenstube auf dem Dachboden, dann wurden alle Möbel im Haus mit Decken verhängt. Mutter und Großmutter begannen, verschiedene Sachen für eine Reise zusammenzupacken. Nur das Nötigste, versicherten sie einander, wir kommen doch bald zurück. Und dann stand wieder einmal das Pferdefuhrwerk bereit, mit dem wir schon so manchen Sonntag fröhlich aufs Land kutschiert waren. Aber die Stimmung war diesmal eine andere. Mutter weinte, und meine Brüder waren ungewohnt schweigsam. Und noch etwas war anders als sonst: die Straßen waren voller Menschen mit Pferd und Wagen. Wir reihten uns in die Kolonne ein, und ab ging's.
Ich verstand nicht, was da passierte. Aber ich hatte Angst und fing an zu weinen. Meine Mutter konnte sich nicht richtig um mich kümmern, sie hatte genug mit meiner kleinen Schwester zu tun, die damals sterbenskrank war und trotzdem aus dem Krankenhaus geholt worden war. Keiner hatte Zeit für mich. Mir war kalt. Ich hatte Hunger. Ich war nicht einmal drei Jahre alt und wollte nach Hause zurück, in mein warmes Bett, zu meinen Kuscheltieren. Als meine Mutter meine Not bemerkte,versuchte sie, mich zu trösten. "Pscht, meine Kleine, alles wird gut," flüsterte sie. Aber ich spürte, dass gar nichts gut werden würde, auch nicht am nächsten Tag oder am übernächsten. Den Pferdewagen gaben wir später irgendwo ab und fuhren mit der Bahn weiter. Die Züge waren überfüllt, kalt und ungemütlich. Die Reise war beschwerlich und nicht ungefährlich. Meine Mutter schnappte sich bei jedem Halt einen großen Kochtopf und rannte zu den an der Strecke gelegenen Bauernhäusern, um etwas Essbares für ihre vier Kinder und Großmama zu erbetteln. Diese Ausflüge waren für uns eine Tortur, wir wussten nie, ob die Mama rechtzeitig zurück sein würde. Einmal fuhr der Zug tatsächlich ohne sie los, wir schrieen aus Leibeskräften, aber ob unsere lautstarke Verzweiflung oder irgendwelche anderen Gründe die Waggons wieder zum Halten brachten, weiss ich bis heute nicht.

Ein paarmal mussten alle sehr schnell aussteigen und unter den nächststehenden Bäumen Schutz suchen. Der Himmel war dann plötzlich voller Flugzeuge, die nicht nur den Zug beschossen, sondern auch die Menschen. Nach jedem dieser Angriffe wuchs die Angst. Wir wussten: Einige Mitreisende lagen tot an der Strecke. Manchmal blieb der Zug stundenlang stehen, ganze Ewigkeiten, und keiner wusste, wann und ob es weitergehen würde.

Inzwischen hatten wir ein paar Tausend Kilometer zurückgelegt, von Ostpreussen bis nach Süddeutschland und dann wieder ein Stück Richtung Norden. In Verden an der Aller war die lange Reise vorerst zu Ende. Die örtlichen Familien hatten sich am Bahnhof versammelt, um uns in Empfang zu nehmen. Wir waren Flüchtlinge, das hatte ich endlich begriffen, und die Menschen, die hier wohnten, mussten uns aufnehmen, ob sie wollten oder nicht. Viele wollten nicht und liessen uns das deutlich spüren. Sie waren verärgert, weil sie mit den besitzlosen Fremden, die der Krieg hierher verschlagen hatte, teilen sollten. Wir allerdings hatten Glück. Der Bauer, der uns mitnahm, war ein guter Mensch, er und seine Frau verwöhnten uns Kinder nach Kräften. Zu Ostern durften wir Eier suchen und ein paar Wochen lang gab es für alle reichlich zu essen. Mutter und Grossmutter halfen den Gastgebern bei der täglichen Arbeit. Es war ein Tauschen und Teilen, Geben und Nehmen in freundlicher Atmosphäre, und fast hätte ich darüber das Leid der vergangenen Monate vergessen.

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Aber der Krieg war noch nicht vorbei, und Mama machte sich Sorgen um die Verwandtschaft. Sie hatte erfahren, dass der Rest der Familie in Schleswig-Holstein gelandet war und wollte nun unbedingt auch dorthin. Vergeblich versuchten die netten Bauern, uns zum Bleiben zu überreden. Die Reise ging weiter. Die Verwandten fanden wir dann auch, aber mit dem Geben und Nehmen machten wir diesmal andere Erfahrungen. Nur widerwillig wurden wir von einer Bauernfamilie aufgenommen, mehr als eine kleine Kammer war nicht für uns übrig. Wir waren ihnen lästig und fühlten uns überflüssig und armselig. Wir hungerten, wieder einmal. Der Krieg ging zu Ende, die alte Heimat war endgültig verloren, ein Zurück gab es nicht. Wie viele andere Leidensgefährten mussten wir uns in der neuen Situation einrichten, irgendwie. Um unseren Hunger zu stillen, sammelten wir auf den Feldern übriggebliebene Ähren und später Kartoffeln. Oft zog die ganze Familie mit Körben und Eimern in den Wald, um Beeren zu suchen.

Die Bauern, bei denen wir wohnten, teilten nicht mit uns. Die köstlichen Düfte, die das Haus durchzogen und bis in unsere Kammer drangen, machten uns zwar den Mund wässerig, aber leider nicht satt. Schliesslich nahm meine Mutter eine Stelle als Feldarbeiterin auf einem Gut an, für ein bisschen Butter und Milch. Nebenbei gab sie den Bauerntöchtern der Umgebung Klavierunterricht. Entlohnt wurde sie in kostbaren Naturalien: Kartoffeln, Brot, Eier und Mehl. Irgendwann kehrte mein Vater aus dem Krieg zurück, kam zu uns nach Norddeutschland und fing sofort mit den Planungen für eine eigene Firma an. Ganz langsam entstand wieder so etwas wie ein "normaler" Alltag. Aber die Erfahrungen der vergangenen Jahre waren nicht spurlos an mir vorübergegangen. Ich war ein stilles, nachdenkliches Mädchen mit viel Fantasie.

Als ich in die Schule kam, war ich wild entschlossen, ganz schnell Lesen zu lernen. Als ich es konnte, öffnete sich mir eine völlig neue Welt. Mein erstes eigenen Buch war ein Märchenbuch mit dicken, holzigen Seiten. Mit diesem Schatz hockte ich oft in meiner Blätterhöhle, die ich mir in einer Hecke gebaut hatte. Ein Platz für mich und die Prinzessinnen und Prinzen aus dem Märchenbuch, mit denen ich hier Stunden und Tage verbrachte, ganz und gar versunken in eine Welt, die mir gerechter und besser erschien als die wirkliche. Hier in meiner Höhle holte ich mir Kraft und entwickelte erste eigene Vorstellungen, wie das Leben sein könnte- sein sollte, wenn es nach mir ginge. Ich war sehr davon beeindruckt, dass in fast jeder dieser Geschichten das Böse besiegt wird und die Liebe triumphiert. Ja, so eine Welt wollte ich auch.

Stattdessen hatte ich erfahren müssen, dass Menschen auf andere Menschen schiessen, dass die einen den anderen alles wegnehmen, und dass die, die genug haben, denen, die hungern, nichts abgeben. Warum musste ich meine Spielsachen zurücklassen und monatelang in kalten Zügen hungernd und frierend durch Gegenden fahren, in denen Tote am Wegesrand lagen? Warum wurde ich jetzt, nur weil ich ein Flüchtlingskind war, als Lumpenpack beschimpft und ausgelacht, weil ich keine richtigen Schuhe besass, sondern nur welche aus Holz? Wer sollte das verstehen? Und vor allem: Was hatte ich in einer solchen Welt verloren? Ich glaube noch heute, dass Märchen symbolischen Charakter haben. Und ich weiss, dass jeder einzelne Mensch dazu beitragen kann, diese Erde schöner und lebenswerter zu gestalten. Geahnt haben muss ich das wohl schon damals in meiner einsamen Märchen-Blätterhöhle. Jedenfalls sehe ich es noch genau vor mir, wie das kleine traurige Flüchtlingsmädchen sich selbst ein Versprechen gab: "Ich werde alles dafür tun, an einer schönen Welt mitzuwirken. In dieser Welt soll es keine Kriege mehr geben. Und jeder Mensch soll in Würde leben."